Flexmarkt Kolumne Mai 2023

„Man sollte an den Menschen nicht vorbei rennen“

Frank van Gool (OTTO Work Force) erkennt, dass es nicht nur um finanzielle Kennziffern geht. Aber natürlich sei er schon neugierig auf die Position von OTTO im Flexmarkt-Umsatzranking, das demnächst veröffentlicht wird, gesteht er in seiner Kolumne für Flexmarkt.

Bron: Flexmarkt.

„Natürlich ist es toll, im Umsatzranking weit oben zu landen. Wir sind auch nur Menschen. Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass Umsatz Eitelkeit und Gewinn Weisheit ist. Schließlich geht es in einem Unternehmen unterm Strich nur um die Rendite. Das Besondere an unserer Branche besteht darin, dass es sich um Menschen dreht. Sie sind unser Produkt und damit unser Kapital. Daher lautet mein Prinzip: Rendite ist prima, aber man sollte an den Menschen nicht vorbei rennen.

Für mich ergibt sich der Unternehmenswert aus der Summe verschiedener Werte. Wie der Gewinn, den man erzielt, der Beitrag zur Gesellschaft, der Mehrwert, den man den Kunden bietet, und nicht zuletzt der Wert, den man den Mitarbeitern bietet. Es geht nicht nur um die Summe dieser Werte, sondern vor allem um das Gleichgewicht zwischen diesen Werten. Die ausschließliche Konzentration auf den Gewinn führt zu einem kühlen Spreadsheet Management und die ausschließliche Konzentration auf die Mitarbeiter bedeutet soziales Unternehmertum. Was übrigens außerordentlich sympathisch ist. In diesem Zusammenhang habe ich das Motto einer sozialen Bäckerei in New York gelesen: „Wir stellen kein Personal ein, um Brownies zu backen, wir backen Brownies, um Personal einzustellen.“ Meiner Meinung nach geht es um das Gleichgewicht.

Allerdings sind finanzielle Werte einfacher zu identifizieren als Kunden- und Mitarbeiterwerte. Man muss sich nur die Zahlen ansehen. Daher haben wir von OTTO Work Force bereits vor Jahren damit begonnen, regelmäßig Zufriedenheitsbefragungen unter den Kunden und Mitarbeitern durchzuführen. Auf diese Weise konnten wir uns ein gutes Bild von unserer Leistung machen: einerseits die finanziellen Zahlen und andererseits die Zahlen zur Zufriedenheit mit unseren Dienstleistungen. Bis der Schuh irgendwann doch anfing, ein wenig zu drücken. Was weiß man denn nun wirklich, wenn 83,5 Prozent zufrieden sind? Menschen sind in quantitativen Studien nicht leicht zu erkennen; um ein besseres Bild zu erhalten, ist qualitative Forschung von entscheidender Bedeutung.

Aus diesem Grund haben wir vor drei Jahren mit dem „Happy Employee Journey“ begonnen. Ein unternehmensweites Programm zur Sensibilisierung für die Hintergründe, Motive und Ambitionen unserer Mitarbeiter. Woher stammen sie, welche Wünsche haben sie und was möchten sie in ihrem Leben erreichen? Einfacher gesagt als getan. Aber es bringt etwas. Abgesehen von unseren jährlichen Umfragen konzentrieren wir uns nun auch auf die Wahrnehmung unserer Mitarbeiter. Wenn wir dies wirklich strukturell auf die Tagesordnung setzen und dabei effizient vorgehen, werden wir relevante Daten erhalten, die uns dabei helfen, Mitarbeiter länger zu halten. Außerdem hat „The Happy Employee Journey“ zu der Erkenntnis beigetragen, dass es sich bei der Arbeitsmigration in den kommenden Jahren hauptsächlich um zirkuläre Arbeitsmigration handeln sollte. Wir konzentrieren uns also nicht nur auf die Anwerbung von Menschen, die in unserem Land arbeiten wollen, sondern von Anfang an auch auf ihre langfristige Rückkehr in ihr Herkunftsland.

Wir haben „The Happy Employee Journey“ ins Leben gerufen. Ein unternehmensweites Programm zur Sensibilisierung für die Hintergründe, Motive und Ambitionen unserer Mitarbeiter.

Nur die finanzielle Rendite und den Umsatz zu betrachten, reicht nicht aus. „An den Menschen nicht vorbei rennen“ setzt voraus, dass man die Mitarbeiter des Unternehmens kennt und sich um diese kümmert. In diesem Sinne schaue ich nun doch mal schnell nach, auf welchem Platz wir dieses Jahr beim Umsatzranking gelandet sind.“

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